Ausbildung, Engagement | 26. September 2017

Ist Fortbildung reine Zeitverschwendung?

Ein Gastbeitrag von Unternehmensberater Dietmar Genzel von MPM Management Personal Marketing.

Man lernt nie aus, heißt es so schön. Doch wie wird diese Maxime in Unternehmen umgesetzt? Entscheider betonen immer wieder: Lebenslanges Lernen ist die Voraussetzung für persönlichen und geschäftlichen Erfolg. Die Realität sieht jedoch oft ganz anders aus.

Das dicht gedrängte Tagesgeschäft lässt nur noch selten Zeitfenster offen für die Weiterbildung. Und auch die psychische und physische Belastung im Arbeitsalltag wird ja nicht gerade weniger.

Häufig wird daher bei der Fortbildung eingespart, mit der Begründung, es seien keine Kapazitäten zur Verfügung.

Die Unternehmen befinden sich dann in der Zwickmühle. Keine Weiterbildung bedeutet: keine Weiterentwicklung. Man wurstelt vor sich hin wie bisher. Der mühsam aufgebaute Wettbewerbsvorsprung wird immer kleiner. Irgendwann bleibt man dann als Firma auf der Strecke und sieht Mitbewerber an sich vorbeiziehen, die cleverer waren und das Thema Weiterbildung in den Griff bekommen haben.

Dann heißt es: Wie schaffen die das bloß? Was machen wir falsch?

Drei wirksame Strategien für erfolgreiche Weiterbildung

In meiner Beratungspraxis stoße ich immer wieder auf drei Hürden, die einer erfolgreichen Fortbildung in Unternehmen im Weg stehen. Die gute Nachricht vorab: Diese Hürden können überwunden werden, so wie es zum Beispiel der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH in Roßwein immer wieder gelingt. Wie es auch bei Ihnen funktioniert, zeige ich Ihnen im Folgenden.

  1. Hürde: „Kenn ich schon“

Das Problem: Oft sind Mitarbeiter nicht zur Weiterbildung motiviert, weil ihnen schlichtweg nicht das Passende angeboten wird. Die Vorgesetzten bieten ihnen lediglich immer das gleiche Standardprogramm. Wahlmöglichkeiten haben die Mitarbeiter keine oder nur sehr eingeschränkte. Dann heißt es: „Kenn ich schon“ oder „Ich hätte mir das nicht ausgesucht.“

Die Lösung: Lassen Sie die Mitarbeiter selbst aussuchen, was sie interessiert. Sie kennen ihren eigenen Wissensstand am besten und wissen, wo noch Defizite sind. Zeigen Sie ihnen, dass Weiterbildung keine lästige Pflicht, sondern ein Geschenk ist, das sie sich auch noch selbst auswählen dürfen. Dementsprechend motiviert gehen sie dann in die Veranstaltung. Ihre Kompetenz steigt und die Zufriedenheit gleich mit.

  1. Hürde: „Mein Chef bildet sich ja auch nicht weiter“

Das Problem: Inhaber und Geschäftsführer unterschätzen ihre Vorbildfunktion. Nehmen Führungskräfte selbst keine Fortbildung in Anspruch, werden sie es schwer haben, ihre Mitarbeiter vom Sinn und Zweck der persönlichen Weiterbildung zu überzeugen.

Die Lösung: Bei der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH erlebe ich immer wieder, dass es auch anders geht und welchen positiven Effekt das hat.

Die beiden geschäftsführenden Inhaber Walter Stuber und Dirk Eckart gehen mit gutem Beispiel voran. Sie sind ständig auf der Suche nach passenden Fortbildungen, interessieren sich für Neues und für andere Sichtweisen.

Dazu sprechen sie mit ihren Mitarbeitern über das Gelernte und über die Möglichkeiten, das theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen. Ebenso ist es für sie selbstverständlich, alle Mitarbeiter dazu zu ermuntern, ihre Ideen und Vorstellungen in den gemeinsamen Arbeitsalltag einzubringen.

  1. Hürde: „Das wird mir alles zuviel“

Das Problem: Nicht jeder Mitarbeiter wird sofort von der Begeisterung der Geschäftsführung mitgerissen. Viele sind überfordert, zu bequem, die Botschaft der Entscheider kommt nicht richtig an oder stößt sogar auf Ablehnung.

Die Lösung: Motivation lässt sich nicht erzwingen. Fingerspitzengefühl, Verständnis und gegenseitige Akzeptanz sind dann der Weg in die gewünschte Richtung.

Jeder Mitarbeiter hat einen anderen Bedarf, eine andere Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. Nehmen Sie darauf Rücksicht. Entwerfen Sie individuelle Entwicklungspläne mit jedem einzelnen Mitarbeiter. Sprechen Sie mit ihm oder ihr und legen Sie gemeinsam fest, wie sie sich fachlich und persönlich fortbilden können.

Wenn Sie diesen Prozess als festen Bestandteil in Ihrer Unternehmenskultur integrieren, reduzieren Sie Widerstände, fördern die Bereitschaft und verbessern Lernergebnisse quantitativ wie qualitativ. Ihre Mitarbeiter spüren mehr Verantwortung für das Unternehmen und die Zufriedenheit aller steigt.

Das sollten Sie als Erstes tun

Führungskräfte müssen zunächst einmal an sich selbst arbeiten, wenn sie die Weiterbildung im Unternehmen verbessern wollen. Auf das „Mindset“ kommt es an, die innere Einstellung.

Nehmen Sie sich selbst unter die Lupe und fragen Sie sich:

  • Wie ticke und wie wirke ich?
  • Welche Führungsinstrumente kenne ich?
  • Welche Führungsinstrumente passen zu mir?
  • Welche Führungsinstrumente beherrsche ich?
  • Brauche ich zusätzliche Führungsinstrumente?

Die Antworten auf diese Fragen überwinden den größten Feind der Weiterentwicklung von Mitarbeitern und Geschäftsführung. Dieser Feind ist der Satz:

„Ich habe keine Zeit!“

Wir hören ihn ständig und sagen ihn – seien wir ehrlich – manchmal auch selbst. Dem möchte ich jedoch entgegnen: Sie haben jede Menge Zeit, nämlich 24 Stunden am Tag. Nun sollten Sie sich klar werden, wie viel Ihnen von dieser Zeit der eigene Erfolg wert ist. Denn nur durch Wissensvorsprung hat Ihr Unternehmen eine Zukunft.