Was macht ein Anwalt?

Gerüstbauer bauen Gerüste – das wissen wir schon. Aber was machen dann Anwälte? Walten die an? Nein, das klingt ganz falsch und hilft auch nicht wirklich weiter.

Ein anderes Wort für „Anwalt“ ist auch „Verteidiger“. Und das trifft es ganz gut: Anwälte verteidigen. Aber was oder wen verteidigen sie? Und fast noch wichtiger – vor wen? Vielleicht einen Boxer vor einem anderen Boxer? Nein, auch das ist falsch, denn Anwälte verteidigen nur mit Worten.

Wenn ein Mensch etwas Falsches oder sogar Schlimmes macht, also etwas, was der Polizei und auch anderen Menschen nicht gefällt, dann nennt man das eine Straftat. Also eine Tat, die unter Strafe steht, einfacher gesagt, bestraft werden muss. Wenn man anderen Menschen Schaden zufügt, ist das zum Beispiel oft eine Straftat.

Wenn man einen Kaugummi im Supermarkt klaut, ist das auch eine Straftat, denn man schädigt ja die Verkäufer. Denn die haben ja für den Kaugummi auch bezahlt und wenn man ihn klaut, bekommen sie kein Geld und dann ärgern sie sich.

Weil ein Kaugummi aber noch nicht so schlimm ist, erhält man noch keine schlimme Strafe. Man muss vielleicht Geld zahlen oder Sozialstunden leisten. Sozialstunden leisten bedeutet, dass man in einer sozialen Einrichtung, also zum Beispiel einem Altenheim, bei der Arbeit hilft, ohne selbst Geld dafür zu bekommen.

Manchmal machen Leute aber auch schlimme Sachen. Zum Beispiel passiert es, dass Erwachsene sich streiten. Das wäre erst einmal noch nicht schlimm, aber ab und zu werden sie so sauer, dass ihnen keine Worte mehr einfallen und dann schlägt einer zu.

Auch Kinder hauen sich manchmal, das ist auch nicht gut, aber wenn keiner ernsthaft verletzt wird, ist danach alles wieder gut. Mama und Papa sind meistens auch nicht besonders böse, weil sie das selber aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Das ist schnell vergessen.

Von Erwachsenen erwartet man aber, dass sie sich nicht mehr gegenseitig schlagen müssen, denn sie haben viele große Worte, mit denen sie einen Streit regeln können. Das klappt aber nicht immer. Erwachsene nehmen aber grundsätzlich alles viel ernster, als Kinder, also kann es passieren, dass einer ganz feste zuschlägt.

Dann muss die Polizei kommen und den Menschen verhaften, denn das nennt man Körperverletzung und das ist eine schwere Straftat.

Im letzten Artikel haben wir ja erklärt, dass Papa den Fernsehturm von Berlin rot-weiß anstreichen möchte, deswegen hat er ja auch einen Gerüstbauer gebraucht. Weil Gerüstbauer aber auch etwas kosten (genauso wie Anwälte), hat er überlegt, sich allein mit einem Seil am Turm hochzuhangeln. Das darf er aber nicht, weil das gefährlich ist.

Papa denkt aber, dass er das schon kann, ohne sich zu verletzen. Also schnappt er sich ein ganz langes Seil, bindet das am Fernsehturm fest und hangelt sich samt Malerkübel und Pinsel an der Fassade hoch.

Aber wie bereits gesagt: Das darf er nicht, denn das ist gefährlich. Also kommt die Polizei vorbei und verhaftet Papa.
Zum Glück ist aber Mama Anwältin. Sie darf Papa nicht verteidigen, denn sie ist „befangen“. Das bedeutet, dass sie den Papa persönlich kennt und ihn auch mag und deshalb bevorteilt.

Aber sie kennt ganz viele andere gute Anwälte und findet einen, der den Papa nun verteidigt.

Jeder, der eine Straftat begangen hat, hat nach deutschem Gesetz das Recht, sich zu verteidigen oder verteidigen lassen. Niemand darf einfach so verurteilt werden, ohne seine Sicht zu dem Thema und seine Beweggründe erklärt zu haben.

Der Anwalt redet also zunächst mit dem Papa und versucht, herauszufinden, warum er sich denn an einem Seil am Fernsehturm hochgehangelt hat. Zum Glück ist aber der Papa eigentlich ein ganz lieber Mensch und ihm tut es schon wieder leid. Er wollte ja nichts Böses tun, er wollte den Turm eben nur alleine streichen – ohne Gerüstbauer.

Nun findet der Anwalt alles über seinen „Mandanten“, das ist der, den er beschützen will, also der Papa, und über den Fall heraus und überlegt sich, welche Gesetze er zu Rate ziehen muss.

Wenn ein Anwalt überzeugt ist, dass sein Mandant unschuldig ist, versucht er das zu beweisen. Aber Papa ist ja nicht unschuldig, er ist ja wirklich mit einem Seil am Fernsehturm hochgeklettert, und deswegen versucht der Anwalt, zu erklären, warum Papa das getan hat. Damit kann er erreichen, dass Papa nur eine kleine Strafe bekommt. Denn wer seine Tat später bereut, wird nicht so schlimm bestraft, wie jemand, der überzeugt ist, das Richtige getan zu haben.

Jetzt haben wir geklärt, wen der Anwalt verteidigt und warum. Aber vor was denn jetzt? Vor der Polizei? Nein. Die Polizei verhaftet zwar den Papa, entscheidet aber nicht über das Strafmaß, also die Schwere der Strafe.

Das macht das Gericht. Das Gericht, beziehungsweise die Richter, die dort drinnen sitzen, entscheiden darüber, wer schuldig und wer unschuldig ist und wie die Schuldigen bestraft werden. Das müssen sie ganz sachlich machen und „objektiv“, das bedeutet, dass sie jemanden, den sie nicht mögen, nicht schwerer bestrafen dürfen, als jemanden, den sie gerne mögen.

Aber Anwälte kosten Geld. Das liegt daran, dass ein Anwalt ganz lange studieren und ganz viel lernen muss, um als Anwalt arbeiten zu dürfen. Ganz dicke Bücher müssen wortwörtlich auswendiggelernt werden. Und weil Gesetze oft sehr schwierig geschrieben sind, muss man als Anwalt auch ganz klug sein und gute Schulnoten gehabt haben.

Außerdem ist es schwierig, richtig mit den Richtern zu sprechen. Denn die sind sehr streng und man muss sehr höflich und sachlich mit ihnen reden, damit sie nicht wütend werden.

Aber nicht jeder hat Geld für einen Anwalt. Es wäre aber gemein, wenn nur reiche Leute einen Anwalt haben könnten und arme nicht, denn dann würden die Armen auch größere Strafen bekommen, als die Reichen. Deswegen kann man einen Anwalt bekommen, den der Staat zahlt. Das nennt man dann Pflichtverteidiger.

Manche Anwälte geben sich nicht damit zufrieden, einfach nur Anwalt zu sein. Sie wollen noch mehr lernen und suchen sich ein spezielles Gebiet aus, das sie besonders gerne mögen und auf dem sie sich am besten auskennen. Sie werden dann zum Beispiel Fachanwalt für Mietrecht. Sie beschäftigen sich dann mit den Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern.

Oder Fachanwalt für Verkehrsrecht. Die kümmern sich um Unfälle und Straftaten im Verkehr, also alles, was mit Autos und Fahrrädern zu tun hat.

Zum Glück versteht das Gericht, dass der Papa sich bloß das Geld für den Gerüstbauer sparen wollte, deswegen muss er nicht ins Gefängnis. Außerdem ist ja weder ihm, noch irgendjemand anderen etwas passiert.

Trotzdem muss das Gericht den Papa bestrafen. Das kennt man ja aus der Schule: Wenn man sich mit jemandem haut und sich danach wieder ausgesöhnt hat, dann muss die Lehrerin einen trotzdem bestrafen, damit man das nicht wieder macht.

Deswegen muss Papa Geld zahlen und versprechen, dass er einen Gerüstbauer beschäftigen wird, wenn er das nächste Mal auf den Fernsehturm von Berlin klettern möchte, aber dann ist alles wieder in Ordnung. Gut, dass es Anwälte gibt, denn ohne seinen Anwalt hätte Papa vielleicht etwas gesagt, was die Richter ärgert und dann hätte er eine größere Strafe bekommen.

Wer sich gerne mal die Webseite einer echten Anwaltskanzlei ankucken möchte, der kann das hier tun:

www.anwaltskanzlei-renner.de

www.facebook.com/anwaelte.doebeln/

https://www.xing.com/profile/Mathias_Renner5/cv?sc_o=ps2867












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