Hessen, Pegnitztal | 23. Mai 2017

Gibt es das ökologische, landschaftsverträgliche Gerüst?

Gerüste sind im Allgemeinen Mittel zum Zweck. Wer nicht gerade aus der Branche ist, für den sind eingerüstete Bauwerke wohl eher ein notwendiges Übel – vor allem wenn es sich um Sehenswürdigkeiten handelt, für deren Besichtigung man sogar extra angereist ist. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass ein Gerüst ausdrücklich auch optischen Ansprüchen genügen muss. Die DB Netz AG Nürnberg stellte so eine Aufgabe an Gemeinhardt Gerüstbau.

Schauplatz ist das Pegnitztal, eine idyllische Landschaft in einer der schönsten Ecken Frankens nordöstlich von Nürnberg, beliebt bei Urlaubern als ruhiges, erholsames Reiseziel ohne den Trubel der großen Touristenmagneten. Gleich auf vier Wegen können Besucher dieses Naturkleinod besuchen: Per Auto oder Motorrad über die Landstraße, auf den Wander- und Fahrradwegen an der Pegnitz entlang und sogar mit dem Kajak. Aber auch als Zugreisender kann man in den Genuss dieser entzückenden Landschaft kommen. Eine Strecke führt direkt durch das schöne Tal, kreuzt mal hier, mal da das Flüsschen – und trägt auf seine eigene Art zum Charme der Landschaft bei. Eisenbahnromanik trifft sanften Tourismus.

Gerüstbau im Ausflugsparadies

Aber wo gebaut wurde, muss irgendwann auch einmal saniert werden. Im Pegnitztal waren es die neun Brücken der Bahnlinie, die mit neuen Gitterrostträgern und Verstärkungen der End- und Querträger ausgestattet werden sollten. Andernfalls hätten die Brücken nur noch mit maximal 60 Stundenkilometern überquert werden dürfen. Was zwar vorteilhaft wäre für Reisende, die die Landschaft genießen wollen – ein Nachteil aber für alle, die es eilig haben.

Mit Gerüsten sollten die sanierungsbedürftigen Brücken zugänglich gemacht werden, damit die nötigen Arbeiten und anschließend halbjährliche Inspektionen durchgeführt werden können. Mindestens vier Jahre sollten die Gerüste insgesamt bestehen bleiben.

Vier Jahre das schöne Pegnitztal in eine Baustelle verwandeln? Aufgabe von Gemeinhardt Gerüstbau war es, dafür eine möglichst landschafts- und tourismusverträgliche Lösung zu finden. Aber es gab noch ein paar weitere Punkte auf der Wunschliste der Auftraggeber: Zum Beispiel sollten die Gerüste relativ leicht konstruiert sein, um die Belastungsfähigkeit der Brücken nicht übermäßig zu verringern.

Welches Gerüst würde all diese Anforderungen erfüllen? Dass es ein Hängegerüst werden sollte, war schnell klar. Wie es im Detail aussehen sollte, war dagegen noch festzulegen.

Das quasi unsichtbare Gerüst

Gemeinhardt Gerüstbau empfahl am Ende eine Holzkonstruktion. Leicht, kostengünstig und für die gestellten Anforderungen bestens geeignet – weshalb sie nach Absprache mit dem Kunden schließlich realisiert wurde. Optisch fügte sich das Gerüst aus Holzbauteilen, Holzbohlen und Weitspannträgern hervorragend in die landschaftliche Umgebung ein. Die zugehörigen Podesttreppentürme aus Metall standen dezent an der Seite und wurden teilweise von der Vegetation verdeckt. Zusätzlich wurde darauf verzichtet, das Holz gegen Witterungseinflüsse zu imprägnieren. Die darunter fließende Pegnitz blieb sauber.

Und hätte man am Ende einen Ausflügler befragt, der an einem sonnigen Tag in Velden gestartet und an der Pegnitz entlang über Vorra, Düsselbach, Alfalter schließlich in Hersbruck angekommen war und dort Rast gemacht hat – dann hätte der bestimmt über die sich sanft windende Pegnitz geschwärmt, über die steil aufragenden Kalksteinfelsen und die grün wuchernde Natur. Aber ob ihm auf seinem Weg Gerüste negativ aufgefallen wären, ist eher zu bezweifeln.